LMBW China: Mechatronik in China

Der LMBW Standort China in Shanghai war im vergangenen Wintersemester in zahlreichen internationalen Kooperationen aktiv. Unser Innovationsmanager Dr. Wiedmann leitet die Außenstelle und unterrichtet an der Chinesisch-Deutschen Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Shanghai. Er initiiert Entwicklungsprojekte mit Firmen, die von Studierenden durchgeführt werden und schafft somit eine Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft in einem Land, in dem die Firmen und Hochschulen i.d.R. wenig miteinander zu tun haben möchten. Diese Kooperationsmöglichkeit wird vornehmlich von Niederlassungen deutscher Firmen genutzt, von denen es im Großraum Shanghai ca. 3.500 gibt. Mittelständischen Firmen die oft keine eigene F&E in China haben wird dadurch erstens eine Entwicklungsdienstleistung zugänglich gemacht und zweitens erhalten sie Zugang zu einem Pool angehender Mechatronik-Ingenieure mit guter Ausbildung, die in China sehr schwierig zu finden sind. Auf der anderen Seite hat die Hochschule durch dieses Einbringen eines hohen und aktuellen Praxisbezugs einen großen Nutzen.

Diese Synergien wurden in einem persönlichen Schreiben von Dr. Wiedmann herausgestellt und an Herrn Ministerpräsident Kretschmann überreicht, als dieser am 23.10.2015 an der Tongji Universität in Shanghai seine Rede hielt. Unsere Landespolitik, für die China bei der Internationalisierung einen hohen Stellenwert einnimmt, befürwortet diese Kooperationen ausdrücklich, wie in dem Antwortschreiben vom Referatsleiter des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Herrn Dr. Wolf herausgestellt wurde.

Industrie 4.0 findet in China allerhöchste Beachtung. Die Regierung macht die Vorgabe, dass I4.0 bis zum Jahr 2025 in China eingeführt sein muss, die Firmen versprechen sich davon vor allem einen Wachstumsschub in der momentan sich abschwächenden Konjunktur. Überall werden Forschungsprojekte durchgeführt. Eines der ersten Projekte im Land war das Smart Factory Labor an der CDHAW, das von Vizedirektor Prof. Chen Ming aufgebaut wurde, der zu I4.0 von Dr. Wiedmann beraten wird. Aus dieser Zusammenarbeit ergab sich auch ein Beratungsprojekt für eine große Industriefirma in Qingdao. Ohne Notwendigkeit einer Kapazitätserhöhung soll dort gemäß planwirtschaftlichem Vorgehen eine neue Fertigungshalle gebaut werden um I4.0 in der Produktion umzusetzen, um ganz vorne mit dabei zu sein.

Im Dezember 2015 erhielt Dr. Wiedmann eine Anfrage aus Dalian, um auf einem Workshop mit Vertretern der DRC (Development und Reform Commission) und aus der Wirtschaft einen Vortrag über Industrie 4.0 zu halten. Die DRC hat in China eine lenkende Aufgabe für die Ministerien. Die Veranstaltung wurde von der GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) in Peking organisiert und von Dr. Steiger moderiert. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass die strukturschwache Region Dalian auf I4.0 setzt und erhebliche Anstrengungen unternehmen wird um I4.0 umzusetzen.

 

Im November 2015 wurde Dr. Wiedmann zur Besichtigung des beeindruckenden Deutsch-Chinesischen Ökoparks in Qingdao eingeladen. Hier entstehen auf einer Fläche von mehr als 10 qkm Wohn-, Ausbildungs-, Arbeitsplätze für 60.000 Menschen.

Der Vorsitzende des Verwaltungskomitees Herr Yao erläuterte die Planungen in sehr gutem Deutsch und meinte, es werden noch ansiedlungswillige dt. Firmen gesucht. Die Gebäude werden von der Regierung erstellt und können für längstens 50 Jahre zu attraktiven Preisen gepachtet werden. Auf der Webseite des Ökoparks (www.sino-germanecopark.gov.cn ) sind dazu interessante Daten und Fakten sowie Statistiken in deutscher Sprache zu finden.

Im Dezember 2015 folgte eine Einladung von der Provinzregierung in Nanjing zur Besichtigung eines entstehenden Industrieparks im Süden der ehemaligen Kaiserstadt, 300km westlich von Shanghai. Auch hier sind deutsche High-Tech-Firmen willkommen. Sie werden in keiner separaten Zone, sondern gemischt mit den chinesischen Firmen angesiedelt, von denen bereits 3000 von dort aus agieren. Das Gelände umfasst stattliche 802 qkm und bietet natürlich auch Wohngebäude. Ansiedlungswillige Firmen erhalten ein „Startgeld“ in Höhe von max. 3 Mio. RMB (ca. 400.000 €) sowie eine kostenfreie Wohnung mit 100…200qm Wohnfläche für die ersten 3 Jahre.

Eine interessante Anfrage kam von einem Studenten der in seiner Masterarbeit das Bewusstsein bzw. die aktive Erschließung und Nutzung von Reverse Innovation in Industriefirmen untersuchte. Reverse Innovationen sind Innovationen die in einem Land wie China mit in Entwicklung befindlichem Markt entstehen und davon ausgehend in voll entwickelte Märkte überspringen. Die Masterarbeit hilft Unternehmen, gezielt Ihre globalen Innovationen auf "Reverse-Innovations"-Potenziale zu untersuchen und somit einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil zu realisieren. Die Vorteile für praktizierende Unternehmen können dabei vielfältig sein - von steigenden Marktanteilen in Emerging Markets, über verbesserte Konkurrenzfähigkeit im Preiskampf bis hin zum Zugang zu neuen Kunden-/Produktsegmenten.

Die Recherche von Dr. Wiedmann zur Unterstützung der Arbeit, wie auch die Untersuchungen des Masteranden Herrn Philipp Gellert (TUM) ergaben, dass große Firmen sehr wohl Reverse Innovationen aktiv vorantreiben, während im Mittelstand das Bewusstsein dafür noch weitgehend fehlt. Weitere vielfältige Ergebnisse stehen in seiner Masterarbeit, die mit sehr gut benotet wurde.

Ein weiteres Highlight war die Unterstützung der Behindertenwerkstatt in Taicang mit einem studentischen Projekt. Ziel ist es, die nötigen Entscheidungen zur Arbeitsverrichtung für die Behinderten mit Ansätzen von Industrie 4.0 so zu vereinfachen, dass diese ihre Arbeit bei der Fertigung von Kabelbäumen fehlerfrei bewältigen können.

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