Die Wave Trophy ist eine der großten Elektroauto-Rallyes Europas. Jedes Jahr treten Teams aus Industrie, Forschung und Privatinitiativen mit Fahrzeugen aus dem gesamten Spektrum der Elektromobilitat an - von seriengefertigten Stadtflossern bis zu selbst entwickelten Prototypen. Gemessen wird nicht die Hochstgeschwindigkeit, sondern die Streckenzurucklegung unter realen Bedingungen mit moglichst effizientem Energieeinsatz.
2017 verteidigte das Team von Phoenix Contact seinen Sieg aus dem Vorjahr. Das Paderborner Unternehmen, bekannt fur Verbindungstechnik und Automatisierungstechnik, trat mit einem modifizierten Elektrofahrzeug an, das mit Komponenten aus der eigenen Produktentwicklung ausgerustet war.
Technik im Einsatz: Ladeinfrastruktur als Wettbewerbsfaktor
Bei einer Langstrecken-Rallye wie der Wave Trophy ist nicht nur die Effizienz des Antriebsstrangs entscheidend, sondern auch die Fahigkeit, die verfugbare Ladeinfrastruktur optimal zu nutzen. Das Team Phoenix Contact setzte auf Hochleistungs-Ladesysteme, die das Fahrzeugbatteriesystem innerhalb kurzer Pausen auf ausreichende Reichweite aufluden, um die Tagesetappen ohne langere Wartepausen zu absolvieren.
Eingesetzt wurden Schnellladestationen mit bidirektionaler Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladeinfrastruktur - ein Konzept, das Phoenix Contact unter dem Begriff "Charging Interface" bereits kommerzielle Anwendungen entwickelt hatte. Die Rallye diente dabei auch als Praxistest unter realen Betriebsbedingungen, die ein Laboraufbau kaum realistisch abbilden kann.
Elektromobilitat als Unternehmensthema
Phoenix Contact ist nicht das einzige Automatisierungsunternehmen, das Elektromobilitat als strategisches Thema ernst nimmt. Der Übergang von Verbrennungsantrieben zu elektrischen Antrieben verandert die gesamte Wertschopfungskette des Fahrzeugbaus - und damit auch die Anforderungen an Verbindungs-, Steuerungs- und Ladetechnik.
Fur den deutschen Maschinenbau und die Elektrotechnikbranche bedeutet dieser Wandel erhebliche Chancen: Neue Komponenten werden benotigt, bestehende Systeme mussen fur hohere Spannungslagen ausgelegt werden, und die Anforderungen an Isolationswerkstoffe und Leistungselektronik steigen deutlich. Unternehmen wie Phoenix Contact positionieren sich als Systemlieferanten fur genau diese Anforderungen.
Reichweite und Alltagstauglichkeit im Praxistest
Kritiker der Elektromobilitat verweisen haufig auf die begrenzte Reichweite und die Abhangigkeit von Ladeinfrastruktur als Hindernisse fur eine breite Marktdurchdringung. Die Wave Trophy liefert dazu ambivalente Erkenntnisse: Auf der einen Seite demonstrieren erfahrene Teams wie Phoenix Contact, dass Langstrecken mit Elektrofahrzeugen machbar sind - sofern Fahrstil, Streckenplanung und Lademanagement aufeinander abgestimmt werden.
Auf der anderen Seite zeigt das Rennen auch, dass dieser Abstimmungsaufwand deutlich hoher ist als bei konventionellen Fahrzeugen. Fur den Alltagsnutzer ohne technisches Hintergrundwissen und ohne das Erfahrungswissen eines Rallyeteams bleibt die Reichweitenanxietat ein reales Thema.
Das andert sich jedoch mit jeder Fahrzeuggeneration: Neuere Modelle mit 400-500 Kilometer Normreichweite und eine dichter werdende Schnellladeinfrastruktur verringern den Planungsaufwand erheblich. Die Wave Trophy 2017 war in diesem Sinne auch ein Beleg dafur, wie weit die Technologie in den Jahren zuvor gereift war.
Markus Brandl schreibt seit uber zehn Jahren uber Automatisierungstechnik, Fertigungssysteme und Unternehmensstrategien im deutschen Maschinenbau.
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